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- 72V E-Bike-Akku lädt nicht
- 72V E-Bike-Akku: Spannungstabelle
- 72V LiFePO4-Akku – Spannungstabelle (24S – Lithium-Eisenphosphat)
- So beheben Sie das Problem, wenn ein 72V E-Bike-Akku nicht lädt
- Welche Spannung sollte ein 72V E-Bike-Ladegerät am Multimeter anzeigen?
- Wie lässt sich ein 72V E-Bike-BMS im Schlafmodus zurücksetzen oder „aufwecken“?
- Wie hoch ist die minimale Abschaltspannung eines 72V-Lithium-Ionen-Akkus?
- Warum funkt mein 72V E-Bike-Akku beim Anschließen des Ladegeräts?
72V E-Bike-Akku lädt nicht
Wenn ein 72V-Akku für ein E-Bike nicht lädt, liegt die Ursache meist am Ladegerät, an einer durchgebrannten Sicherung, einer Schutzabschaltung des BMS oder an tiefentladenen Zellen.
Ein typischer 72V-Lithium-Ionen-Akku besteht aus 20 in Reihe geschalteten Zellgruppen (20S). Er hat eine Nennspannung von 72V, erreicht vollgeladen 84,0V und besitzt je nach BMS und System meist eine Abschaltspannung von etwa 60V–64V.
Gehen Sie die folgenden Prüfschritte von einfach bis technisch anspruchsvoller durch.
Schritt 1: Ladegerät und LED-Anzeigen überprüfen
Beobachten Sie die LED am Ladegerät und schließen Sie es in dieser Reihenfolge an:
1. Zuerst das Ladegerät an die Steckdose anschließen
- Keine LED: Steckdose ohne Strom, interne Sicherung des Ladegeräts defekt oder Ladegerät ausgefallen.
- LED leuchtet dauerhaft grün: Das Ladegerät befindet sich im Standby-Modus und ist betriebsbereit.
2. Anschließend das Ladegerät mit dem Akku verbinden
- LED bleibt grün: Das Ladegerät erkennt den Akku bzw. Ladestromkreis nicht. Mögliche Ursachen sind ein abgeschaltetes BMS, eine durchgebrannte Ladesicherung oder ein beschädigter Kontakt im Stecker.
- LED wird rot: Der Akku nimmt Strom auf und wird geladen.
- LED blinkt rot/grün: Das Ladegerät erkennt einen Fehler, beispielsweise Überspannung, falsche Polarität oder eine Ladefreigabe, die vom BMS verweigert wird.
Schritt 2: Ladeanschluss und Sicherungen kontrollieren
- Ladeanschluss: Überprüfen Sie die Kontakte am Ladestecker und an der Ladebuchse des Akkus, beispielsweise bei XLR-, GX16-, Anderson-, XT60- oder ST3-Steckverbindungen. Achten Sie auf verbrannte oder geschwärzte Kontakte, verbogene Pins und lockere Lötstellen hinter der Buchse.
- Ladesicherung: Viele 72V-Akkus besitzen eine separate 5A- bis 15A-Flach- oder Glassicherung im Ladestromkreis. Brennt diese Sicherung durch – etwa durch einen Kurzschluss am Ladeanschluss –, kann die LED des Ladegeräts grün bleiben, ohne dass der Akku geladen wird. Prüfen Sie den Sicherungshalter, sofern dieser von außen sicher zugänglich ist.
Schritt 3: Spannung mit dem Multimeter prüfen
Stellen Sie ein digitales Multimeter auf Gleichspannung (DC), Messbereich mindestens 200V, und prüfen Sie folgende Punkte:
| Messpunkt | Erwarteter Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Ausgang des Ladegeräts (nicht mit dem Akku verbunden) | ca. 84,0V (Li-Ion 20S) oder ca. 87,6V (LiFePO4 24S) | Werden 0V angezeigt, kann das Ladegerät defekt sein. Einige Ladegeräte aktivieren den Ausgang allerdings erst, wenn sie eine Batteriespannung erkennen. |
| Ladeanschluss des Akkus | 60V–84V | Werden 0V gemessen, befindet sich das BMS möglicherweise im Schutzmodus oder die Ladesicherung ist durchgebrannt. |
| Entladeanschluss des Akkus | 60V–84V | Liegt hier eine normale Spannung an, am Ladeanschluss jedoch 0V, liegt das Problem wahrscheinlich am Ladeanschluss, an der Sicherung oder am Lade-MOSFET des BMS. |
Schritt 4: BMS-Schutzmodus und Unterspannung prüfen
- Unterspannungsabschaltung: Wurde der Akku längere Zeit nicht benutzt und ist seine Spannung auf etwa 56V–60V oder darunter gefallen, kann das BMS den Akku wegen Unterspannung abschalten. Manche intelligenten Ladegeräte starten dann nicht, weil sie keine ausreichende Batteriespannung erkennen.
- BMS zurücksetzen: Trennen Sie den Akku vollständig vom E-Bike und vom Ladegerät und lassen Sie ihn 10–15 Minuten ruhen. Falls vorhanden, kann auch die Reset- bzw. Power-Funktion des Akkus verwendet werden. Einige Smart-BMS-Systeme, beispielsweise von ANT, JK oder Daly, lassen sich zusätzlich über die jeweilige Bluetooth-App überprüfen und zurücksetzen.
- Temperaturschutz: Wurde der Akku unmittelbar zuvor stark belastet oder bei Temperaturen unter 0 °C gelagert, kann das BMS das Laden vorübergehend sperren. Lassen Sie den Akku zunächst auf eine geeignete Innentemperatur von etwa 15–25 °C kommen, bevor Sie einen neuen Ladeversuch starten.

72V E-Bike-Akku: Spannungstabelle
Die Spannung eines 72V-E-Bike-Akkus hängt von der verwendeten Zellchemie ab. Üblich sind Lithium-Ionen-Akkus (20S, NMC/INR/NCR) oder LiFePO4-Akkus (24S).
72V Lithium-Ionen-Akku – Spannungstabelle (20S, am häufigsten)
- Nennspannung: 72,0V (3,6V pro Zelle)
- Voll geladen: 84,0V (4,2V pro Zelle)
- Unterspannungsabschaltung: ca. 60,0V (3,0V pro Zelle)
| Verbleibende Kapazität | Gesamtspannung des Akkus | Spannung pro Zelle |
|---|---|---|
| 100 % (voll geladen) | 84,0V | 4,20V |
| 90 % | 81,6V | 4,08V |
| 80 % | 79,2V | 3,96V |
| 70 % | 76,8V | 3,84V |
| 60 % | 74,4V | 3,72V |
| 50 % (Nennspannung / Lagerung) | 72,0V | 3,60V |
| 40 % | 69,6V | 3,48V |
| 30 % | 67,2V | 3,36V |
| 20 % (bald aufladen) | 64,8V | 3,24V |
| 10 % | 62,4V | 3,12V |
| 0 % (BMS-Abschaltung) | 60,0V | 3,00V |
72V LiFePO4-Akku – Spannungstabelle (24S – Lithium-Eisenphosphat)
- Nennspannung: 76,8V (3,2V pro Zelle)
- Voll geladen: 87,6V (3,65V pro Zelle)
- Unterspannungsabschaltung: ca. 60,0V (2,5V pro Zelle)
| Verbleibende Kapazität | Gesamtspannung des Akkus | Spannung pro Zelle |
|---|---|---|
| 100 % (voll geladen) | 87,6V | 3,65V |
| 90 % | 80,4V | 3,35V |
| 80 % | 79,7V | 3,32V |
| 50 % (Nennspannung) | 76,8V | 3,20V |
| 20 % | 74,4V | 3,10V |
| 10 % | 72,0V | 3,00V |
| 0 % (BMS-Abschaltung) | 60,0V | 2,50V |
Wichtige Hinweise zur Nutzung
- Ruhespannung vs. Spannung unter Last: Messen Sie die Akkuspannung möglichst im Ruhezustand, also ohne Motorunterstützung bzw. bei nicht betätigtem Gasgriff. So vermeiden Sie Messwerte, die durch einen kurzfristigen Spannungseinbruch unter Last verfälscht werden.
- Lagerspannung: Für eine längere Lagerung sollten 20S-Lithium-Ionen-Akkus idealerweise bei etwa 72,0V bis 74,0V (ca. 50 % Ladezustand) gelagert werden. Das reduziert die Zellalterung und kann die Lebensdauer des Akkus verlängern.
- Unterspannungsabschaltung des Controllers: Bei einem 72V-System kann die Unterspannungsgrenze des Controllers typischerweise auf etwa 60,0V bis 63,0V eingestellt werden. Dadurch lässt sich vermeiden, dass bei starker Beschleunigung und dem damit verbundenen kurzfristigen Spannungseinbruch die hardwareseitige Schutzabschaltung des BMS ausgelöst wird.
So beheben Sie das Problem, wenn ein 72V E-Bike-Akku nicht lädt
Wenn ein 72V E-Bike-Akku nicht mehr lädt, sollten Sie systematisch vom Ladegerät bis zum Akku vorgehen. So lässt sich feststellen, ob die Ursache außerhalb des Akkus, an einer Schutzabschaltung oder im Inneren des Akkupacks liegt.
Sicherheitshinweis: Ein 72V-Akku – normalerweise ein 20S-Lithium-Ionen-Akku – erreicht vollgeladen bis zu 84V. Diese Gleichspannung sowie die sehr hohen möglichen Kurzschlussströme können gefährlich sein und einen Brand verursachen. Verwenden Sie isolierte Werkzeuge und vermeiden Sie unbedingt Kurzschlüsse. Arbeiten am geöffneten Akku sollten einer qualifizierten Fachwerkstatt überlassen werden.
Schritt 1: Ausgangsspannung des Ladegeräts prüfen
- Stellen Sie ein digitales Multimeter auf Gleichspannung (DC).
- Messen Sie vorsichtig an den Ausgangskontakten des Ladegeräts, während es mit der Steckdose verbunden, aber nicht an den Akku angeschlossen ist.
- Ein funktionierendes Ladegerät für einen normalen 72V-Lithium-Ionen-Akku sollte ungefähr 84,0V DC liefern. Bei einem 24S-LiFePO4-Akku sind es etwa 87,6V DC.
- Werden 0V oder deutlich weniger als die vorgesehene Spannung angezeigt, kann das Ladegerät oder dessen interne Sicherung defekt sein. Beachten Sie, dass manche Ladegeräte ihren Ausgang erst nach Erkennung eines angeschlossenen Akkus aktivieren.
Schritt 2: Ladeanschluss und Sicherung überprüfen
Sicherung prüfen: Viele Akkupacks besitzen eine separate Ladesicherung, häufig eine 5A- bis 10A-Flach- oder Glassicherung in der Nähe des Ladeanschlusses. Prüfen Sie eine von außen zugängliche Sicherung auf sichtbare Unterbrechungen oder messen Sie den Durchgang mit einem Multimeter.
Kontakte überprüfen: Kontrollieren Sie die Pins des Steckers und der Ladebuchse, beispielsweise bei XLR-, Anderson- oder GX16-Verbindungen. Achten Sie auf verbrannte, beschädigte oder lockere Kontakte. Wiederholte Funkenbildung beim Anschließen kann die Kontaktflächen langfristig beschädigen.
Schritt 3: Akkuspannung messen
Messen Sie die Spannung sowohl am Entladeanschluss als auch – sofern konstruktionsbedingt sicher messbar – am Ladeanschluss.
Der typische Betriebsbereich eines 20S-Lithium-Ionen-Akkus liegt bei:
ca. 60V (leer) bis ca. 84V (voll)
- 0V am Ladeanschluss, aber normale Spannung am Entladeanschluss: Mögliche Ursachen sind eine durchgebrannte Ladesicherung, eine beschädigte Verkabelung des Ladestromkreises oder eine Abschaltung des Ladepfads durch das BMS.
- Unter etwa 55V–60V (Tiefentladung): Sinkt die Spannung einer oder mehrerer Zellgruppen unter die vom BMS festgelegte Unterspannungsgrenze, kann das Battery Management System (BMS) zum Schutz des Akkus in einen Schlaf- oder Schutzmodus wechseln.
Schritt 4: BMS und internen Akku überprüfen
BMS zurücksetzen: Einige Smart-BMS-Systeme lassen sich durch den vom Hersteller vorgesehenen Reset- oder Wake-up-Vorgang wieder aktivieren. Verwenden Sie ausschließlich die für das jeweilige BMS vorgesehene Methode. Das Überbrücken von BMS-Anschlüssen ist bei einem 72V-Akku nicht empfehlenswert, da dadurch wichtige Schutzfunktionen umgangen werden können.
Zellbalance prüfen: Bei einer professionellen Diagnose kann die Spannung der einzelnen Zellgruppen überprüft werden. Fällt eine Zellgruppe deutlich unter die anderen oder besteht beispielsweise eine Differenz von mehr als 0,2V, kann das BMS den Ladevorgang sperren. Das Öffnen und Messen eines 72V-Akkupacks sollte aufgrund der hohen Spannung und Kurzschlussgefahr nur von entsprechend qualifizierten Personen durchgeführt werden.
BMS prüfen bzw. ersetzen: Sind die Zellgruppen gleichmäßig geladen und in einem sicheren Spannungsbereich, der Akku nimmt über den vorgesehenen Ladeanschluss aber weiterhin keinen Ladestrom auf, kann das BMS defekt sein. In diesem Fall sollte ein kompatibles 72V-/20S-BMS fachgerecht geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.
Welche Spannung sollte ein 72V E-Bike-Ladegerät am Multimeter anzeigen?
Der erwartete Messwert hängt von der Akkutechnologie und davon ab, ob das Ladegerät über eine automatische Ausgangsschutzschaltung verfügt.
1. Lithium-Ionen (NMC / Standard-Lithium) – 20S-Akku
Dies ist die am häufigsten verwendete Variante bei 72V E-Bike-Akkus.
- Erwartete Ausgangsspannung: 84,0V
- Berechnung: 20 × 4,2V = 84,0V
- Akzeptabler Bereich: 83,6V–84,4V
Ein normaler 72V-Lithium-Ionen-Akku besteht aus 20 in Reihe geschalteten Zellgruppen. Das passende Ladegerät muss daher eine maximale Ladespannung von 84,0V bereitstellen.
2. LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat) – 24S-Akku
- Erwartete Ausgangsspannung: 87,6V
- Berechnung: 24 × 3,65V = 87,6V
- Akzeptabler Bereich: 87,0V–88,0V
3. Blei-Säure / AGM / Gel – 6 × 12V-Akkus
- Erwartete Ausgangsspannung: 87,6V–88,8V während der Hauptladephase
- Erhaltungsladespannung: ca. 82,8V
Warum zeigt das Multimeter möglicherweise 0V an?
Viele moderne intelligente E-Bike-Ladegeräte verfügen über einen Verpolungs- und Kurzschlussschutz. Bei solchen Ladegeräten wird die Ausgangsspannung möglicherweise erst freigeschaltet, wenn eine vorhandene Batteriespannung erkannt wird.
Zeigt das Multimeter bei einem vom Akku getrennten Ladegerät 0V an, bedeutet dies daher nicht automatisch, dass das Ladegerät defekt ist. Die Ursache kann die integrierte Schutzschaltung sein.
Wie lässt sich ein 72V E-Bike-BMS im Schlafmodus zurücksetzen oder „aufwecken“?
Um ein 72V E-Bike-BMS (Battery Management System) aus dem Schlaf- oder Schutzmodus zu aktivieren, sollten Sie die Methode wählen, die zu Ihrem Akku und den verfügbaren Zugriffsmöglichkeiten passt.
1. Aktivierung über das Ladegerät – Standardmethode
Viele BMS-Systeme verlassen den Schlafmodus, sobald sie eine Ladespannung erkennen.
- Schließen Sie zuerst ein kompatibles 72V-Ladegerät an die Steckdose an.
- Verbinden Sie anschließend das Ladegerät für 5–10 Sekunden mit dem Ladeanschluss des Akkus.
- Trennen Sie das Ladegerät wieder und messen Sie mit einem Multimeter die Spannung am Entladeanschluss.
- Ein 72V-Lithium-Ionen-Akku liegt je nach Ladezustand typischerweise im Bereich von etwa 60V bis 84V.
2. Verbraucher trennen / Power-Cycle durchführen
Hat das BMS aufgrund eines zu hohen Stroms oder eines starken Spannungseinbruchs den Schutzmodus aktiviert:
- Trennen Sie das Entladekabel des Akkus vom Controller des E-Bikes.
- Warten Sie 5–10 Minuten.
- Verbinden Sie den Akku anschließend wieder mit dem Controller.
- Prüfen Sie, ob die automatische Wiederherstellung des BMS die Ausgangsspannung wieder freigibt.
3. Bluetooth- bzw. Smart-BMS-App verwenden
Verwendet Ihr 72V-Akku ein Smart BMS, beispielsweise von ANT, JBD/Xiaoxiang, Daly oder JK:
- Öffnen Sie die zugehörige App auf Ihrem Smartphone.
- Ist Bluetooth deaktiviert bzw. im Schlafmodus, schließen Sie kurz das Ladegerät an oder verwenden Sie – sofern vorhanden – die physische Aktivierungstaste bzw. den Schlüsselschalter.
- Öffnen Sie die BMS-Einstellungen.
- Prüfen Sie dort den Status von Charge MOS und Discharge MOS. Einige Systeme erlauben das Aus- und erneute Einschalten dieser Funktionen, um bestimmte Software- oder Schutzfehler zurückzusetzen.
4. BMS-Anschlüsse nicht manuell überbrücken
Bei manchen BMS-Systemen wird als technische Methode das kurzzeitige Überbrücken von B- und P- bzw. C- beschrieben. Bei einem 72V-Akku ist dieses Vorgehen jedoch mit erheblichen Kurzschluss-, Lichtbogen- und Brandrisiken verbunden.
Für Endanwender ist diese Methode daher nicht empfehlenswert. Verwenden Sie stattdessen die vom BMS- oder Akkuhersteller vorgesehene Wake-up- bzw. Reset-Funktion oder lassen Sie den Akku von einem Fachbetrieb prüfen.
5. Hard-Reset des BMS
Bei einigen BMS-Modellen kann ein vollständiger Neustart der Elektronik erforderlich sein. Dazu kann je nach Hersteller auch das Trennen des Balance-Steckers gehören.
Da hierfür das Akkugehäuse geöffnet und direkt an einem Hochenergie-Lithium-Akkupack gearbeitet werden muss, sollte dieser Vorgang nur von entsprechend qualifizierten Personen und gemäß den Herstellerangaben durchgeführt werden.
Nach einem fachgerechten Reset wird das BMS in der Regel wieder verbunden und anschließend über das passende Ladegerät aktiviert.
Sicherheitsprüfung vor dem Aufwecken des BMS
Bevor versucht wird, einen abgeschalteten Akku wieder zu aktivieren, sollte zunächst die Gesamtspannung des Akkupacks geprüft werden.
Ist eine einzelne 18650-/21700-Lithium-Ionen-Zellgruppe auf unter etwa 2,5V abgesunken oder liegt die Gesamtspannung eines 20S-Akkupacks bei unter etwa 50V, kann das BMS aufgrund einer kritischen Tiefentladung abgeschaltet haben.
Ein derart tiefentladener Lithium-Ionen-Akku sollte nicht durch Umgehen des BMS oder erzwungenes Laden reaktiviert werden. In Deutschland empfiehlt sich in diesem Fall die Prüfung durch einen qualifizierten E-Bike- bzw. Akkuservice.
Wie hoch ist die minimale Abschaltspannung eines 72V-Lithium-Ionen-Akkus?
Ein handelsüblicher 72V-Lithium-Ionen-Akku (NMC) ist normalerweise als 20S-Akkupack aufgebaut, also mit 20 in Reihe geschalteten Zellgruppen.
Die minimale Abschaltspannung hängt davon ab, ob es um die empfohlene Unterspannungsgrenze des Controllers bzw. BMS oder um die absolute Mindestspannung der Zellen geht:
| Zustand | Spannung pro Zelle | Spannung des 20S-Akkus | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Empfohlene sichere Abschaltspannung | 3,0V | 60,0V | Sinnvoller Wert für die Unterspannungsabschaltung (LVC) von Controller bzw. BMS, um die Zellen zu schonen und Probleme durch Spannungseinbrüche unter Last zu reduzieren. |
| BMS-Hardwareabschaltung | 2,8V | 56,0V | Typischer Bereich, in dem viele BMS-Systeme zum Schutz der Zellen abschalten und gegebenenfalls in den Schlaf- bzw. Schutzmodus wechseln. |
| Absolute Mindestgrenze | 2,5V | 50,0V | Kritischer Grenzbereich. Eine weitere Entladung kann zu irreversibler Zellschädigung, höherem Innenwiderstand und dauerhaftem Kapazitätsverlust führen. |
Häufige Abweichungen und wichtige Hinweise
- Spannungseinbruch unter Last: Bei starker Beschleunigung oder hoher Motorleistung kann die Akkuspannung kurzfristig deutlich absinken. Eine Unterspannungsgrenze des Motorcontrollers von etwa 60V–62V kann dabei helfen, eine unerwartete BMS-Abschaltung zu vermeiden und die Zellen zu schonen.
- Bei LiFePO4 (LFP): Ein als 72V bezeichnetes LiFePO4-System ist typischerweise als 24S-Akku mit 3,2V Nennspannung pro Zelle aufgebaut. Bei einem 24S-LFP-Akku liegt die empfohlene untere Spannungsgrenze je nach Zellen- und Herstellerangaben ungefähr bei 60,0V–62,4V (2,5V–2,6V pro Zelle).
Warum funkt mein 72V E-Bike-Akku beim Anschließen des Ladegeräts?
Ein kurzer Funke beim Anschließen entsteht normalerweise durch einen sogenannten kapazitiven Einschaltstrom (Inrush Current).
Im 72V-Ladegerät – und teilweise auch im BMS des Akkus oder im Motorcontroller – befinden sich größere Kondensatoren, die im getrennten Zustand entladen sein können. Da ein 72V-Akkupack vollgeladen bis zu 84V erreichen kann, fließt beim Herstellen der Verbindung für den Bruchteil einer Millisekunde ein hoher Strom, um diese Kondensatoren aufzuladen.
Dieser kurzzeitige Spannungsunterschied kann einen kleinen Lichtbogen bzw. Funken am Steckkontakt verursachen.
So lässt sich die Funkenbildung verhindern oder reduzieren
1. Richtige Anschlussreihenfolge verwenden
- Schließen Sie zuerst das Ladegerät an die Steckdose an.
- Warten Sie 5–10 Sekunden, bis die Kontrollleuchte aufleuchtet und sich die internen Kondensatoren geladen haben.
- Verbinden Sie anschließend den Ausgang des Ladegeräts mit dem Ladeanschluss des Akkus.
Beim Trennen gehen Sie in umgekehrter Reihenfolge vor: Zuerst den Stecker vom Akku abziehen und anschließend das Ladegerät von der Steckdose trennen.
2. Anti-Spark-Steckverbinder verwenden
Wenn Sie Steckverbinder austauschen oder ein eigenes Akkusystem aufbauen, kann ein Anti-Spark-Stecker wie der XT90-S verwendet werden. Dieser besitzt einen integrierten Vorladewiderstand, der den anfänglichen Stromstoß und damit die Funkenbildung reduziert.
3. Vorladewiderstand oder Pre-Charge-Schaltung verwenden
Tritt der Funke nicht am Ladeanschluss, sondern beim Verbinden des Akkus mit dem Motorcontroller auf, kann eine Pre-Charge-Schaltung bzw. ein entsprechender Schalter den plötzlichen Einschaltstrom begrenzen.
Normaler Funke oder gefährliches Problem?
| Merkmal | Normaler Einschaltfunke | Gefährlicher Fehler / Kurzschluss |
|---|---|---|
| Auftreten | Nur kurz in dem Moment, in dem sich die Kontakte berühren | Anhaltende Funken, Knallgeräusche oder Lichtbogen nach dem Anschließen |
| Auswirkungen am Stecker | Mit der Zeit eventuell kleine dunkle Spuren am Kontakt | Geschmolzener Kunststoff, schwarzer Ruß oder verschweißte Kontakte |
| Geruch / Wärme | Kein auffälliger Geruch, Stecker bleibt kühl | Geruch nach verbranntem Kunststoff/Ozon oder deutlich heißer Stecker |
| Verhalten des Ladegeräts | LED wechselt wie vorgesehen auf Rot bzw. Grün | Ladegerät klickt, zeigt einen Fehler an oder löst eine Sicherung bzw. einen Leitungsschutzschalter aus |
Tritt die Funkenbildung auch auf, wenn das Ladegerät bereits an der Steckdose angeschlossen und eingeschaltet ist, sollten Ladebuchse, Stecker und Kontakte auf falsche Polarität, verbogene Pins, Verschmutzungen oder andere Beschädigungen überprüft werden.